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Welt: Das höchste Windrad der Welt – doch ausgerechnet der Wind macht Probleme

Autorenbild: Martin Hartmann
Martin Hartmann
vor 10 Minuten
2 Min. Lesezeit

Die «Welt» berichtet über den Höhenwindturm des Unternehmens Gicon in Schipkau in der Lausitz (Brandenburg). Mit einer Nabenhöhe von 300 Metern und einer geplanten Gesamthöhe von 365 Metern soll er das höchste Windrad der Welt werden – beinahe so hoch wie der Berliner Fernsehturm mit 368 Metern.

Höhenvergleich: Prime Tower Zürich 126 m, höchstes Serienwindrad 285 m, Eiffelturm 330 m, Höhenwindrad Schipkau 365 m

Ausgerechnet der Wind bremst das Windrad

Die Turbine wird nicht per Kran montiert, sondern mit einem Teleskopturm hydraulisch in die Höhe gefahren. Genau dabei macht nun das Wetter Probleme: Starker Wind verschob den Beginn der Schlussarbeiten, danach verlangsamten Böen den Hub. Die Ausrufung des Weltrekords wurde deshalb am Sonntag erneut verschoben. Stand jetzt steht der Innenturm auf einer Zwischenhöhe von 250 Metern, die Anlage misst mit den Rotorblättern 315 Meter. Die volle Höhe soll in den kommenden Tagen erreicht werden, die offizielle Inbetriebnahme ist für Mitte November geplant.

Es ist nicht die erste Verzögerung: Bereits Ende 2025 stellte sich heraus, dass ein Zulieferer Stahlteile geliefert hatte, die die Qualitätsanforderungen nicht erfüllten. Der Bau musste unterbrochen werden.

Die Eckdaten

Auf dem 300 Meter hohen Stahlfachwerkturm sitzt eine vergleichsweise kleine 3,8-Megawatt-Turbine mit rund 126 Metern Rotordurchmesser. Sie soll Strom für bis zu 7'500 Haushalte liefern. Finanziert wird das Forschungsprojekt von der deutschen Bundesagentur für Sprunginnovationen (SPRIND), also mit Steuergeld.

Was Fachleute zur Wirtschaftlichkeit sagen

Dass der Wind in 300 Metern Höhe stärker und gleichmässiger weht, bestreitet niemand; ein Mehrertrag von rund 40 bis 60 Prozent gilt als plausibel. Doch die Kosten sind der Knackpunkt: Laut Bundesregierung liegen die spezifischen Baukosten derzeit fast viermal so hoch wie bei einem normalen Windrad. Gicon selbst schätzt, dass eine Serienanlage gut zehnmal so viel kosten würde wie eine Standardanlage. Ein Meteorologe des Karlsruher Instituts für Technologie hält die Wirtschaftlichkeit solcher Anlagen derzeit für nicht abschätzbar, da die Baukosten mit der Höhe deutlich stärker steigen als die Erträge.

Ein Forscher des Forschungszentrums Jülich weist zudem auf die offene Frage der Akzeptanz hin: Fast doppelt so hohe Anlagen sind viel weiter sichtbar – gerade in landschaftlich schönen Regionen. In Deutschland entscheiden Gerichte bei der «optischen Bedrängung» anhand des Verhältnisses von Abstand zu Gesamthöhe; ein doppelt so hohes Windrad braucht entsprechend teils doppelt so grosse Abstände.

Einordnung von Gegenwind Aesch

Der Trend ist eindeutig: Windräder werden immer höher. Das bisher höchste Serienwindrad in Deutschland misst bereits 285 Meter – und nun kratzt ein Prototyp an der Höhe des Berliner Fernsehturms. Wer über Windkraftstandorte in unserer Region diskutiert, sollte sich bewusst sein, in welchen Dimensionen die Branche heute denkt. Zum Vergleich: Der Prime Tower in Zürich ist 126 Meter hoch. Dass ausgerechnet der Wind den Bau des höchsten Windrads der Welt verzögert, hat zudem eine gewisse Ironie – und zeigt, dass bei solchen Grossprojekten längst nicht alles planbar ist.

Grafik: Gegenwind Aesch, Höhenangaben gerundet.

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