Schweizer Windräder waren 2025 so schlecht ausgelastet wie nie in den vergangenen fünf Jahren
- Martin Hartmann
- 17. Feb.
- 5 Min. Lesezeit
Klima und Energie #18 – der Nebelspalter-Newsletter von Alex Reichmuth
Schweizer Windräder waren 2025 so schlecht ausgelastet wie nie in den vergangenen fünf Jahren
Alex Reichmuth 17.02.2026

Die Themen diese Woche:
Die Auslastung der Windanlagen in der Schweiz betrug letztes Jahr nur 18 Prozent
CO₂ gilt in den USA nicht mehr als Schadstoff – Journalisten sind am Schäumen
Der Klimawandel soll nun auch an Kälteeinbrüchen schuld sein
Die Präsidentin der Grünen streut dem Stimmvolk Sand in die Augen
Die Auslastung der Windanlagen in der Schweiz betrug letztes Jahr nur 18 Prozent
Worum geht es?
Suisse Eole, der Verband der Schweizer Windkraft, hat bekannt gegeben, dass die 50 Windräder in unserem Land letztes Jahr 161 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt haben. Es habe sich um ein «gutes durchschnittliches Windjahr» gehandelt, behauptet der Verband (siehe hier).
Tatsächlich lag die Produktion letztes Jahr aber trotz vier neuer Windturbinen im Kanton Uri deutlich tiefer als im Vorjahr, als die Produktion noch über 170 Millionen Kilowattstunden betragen hatte.
In Wahrheit waren die Windräder in der Schweiz 2025 so schlecht ausgelastet wie nie in den fünf Jahren zuvor – nämlich nur zu 18,2 Prozent. Zu mehr als 80 Prozent der Zeit standen die Anlagen also still (siehe hier und hier).
In den Jahren 2020 bis 2024 waren die Anlagen jeweils immerhin zu 19 Prozent oder etwas mehr ausgelastet gewesen.
Kommentar: Die tiefe Auslastung zeigt klar, dass die Schweiz kein «Windland» ist: Es hat schlicht zu wenig Wind, als dass sich mit Windrädern effizient Energie erzeugen liesse. In Norddeutschland etwa, wo der Wind auch an Land viel stärker und steter bläst, beträgt die Auslastung von Windrädern typischerweise zwischen 25 und 30 Prozent (siehe hier). Es lohnt sich also nicht, die Schweiz zu «verspargeln» und damit die Landschaften zu zerstören. Denn Windräder liefern hierzulande nur wenig und zudem unzuverlässig anfallenden Strom.
CO₂ gilt in den USA nicht mehr als Schadstoff – Journalisten sind am Schäumen

Worum geht es?
Die amerikanische Umweltbehörde EPA hat die sogenannte Gefährdungsfeststellung für Kohlendioxid zurückgezogen. Damit gilt CO₂ in den USA nicht länger als Schadstoff (siehe hier).
Dass CO₂ gefährlich sein soll, bildete seit 2009 das wichtigste Fundament für Klimaschutzmassnahmen, insbesondere beim Verkehr und bei der Stromproduktion. Die Regelung war vom früheren Präsidenten Barack Obama eingeführt worden.
Indem die Regierung Obama behauptete, CO₂ sei ein Schadstoff, konnte sie Klimaschutzmassnahmen mittels des Luftreinhaltegesetzes erlassen und so den mühsamen und unsicheren Gesetzgebungsprozess über das Parlament umgehen (siehe hier).
EPA-Chef Lee Zeldin sagte nun, diese Gefährdungsfeststellung sei der «Heilige Gral der übermässigen staatlichen Regulierung» gewesen. Frühere Präsidenten wie Obama oder Joe Biden seien bereit gewesen, damit «das Land in den Bankrott zu treiben».
Präsident Donald Trump, auf dessen Geheiss die Gefährdungsfeststellung nun zurückgezogen wurde, bezeichnete diese als «einen der grössten Schwindel der Geschichte». Richtig sei, dass fossile Brennstoffe über Generationen hinweg Millionen von Leben gerettet und Milliarden Menschen weltweit aus der Armut geholfen hätten.
Trump treibt damit seinen Kurs gegen den sogenannten Klimaschutz konsequent weiter. Unter seiner Führung haben die USA schon das Abkommen von Paris aufgekündigt und sich vom Weltklimarat IPCC und der Uno-Klimarahmenkonvention verabschiedet (siehe hier).
Medienschaffende überboten sich mit negativen Kommentaren. «Fakten interessieren Trump nicht, und der Klima-Schwindel reiht sich ein in seine vielen Lügen», kommentierten die CH-Media-Blätter (siehe hier). Der US-Präsident sei «besessen von der Vergangenheit» und von «Zeiten, als sich um Klima und Umwelt niemand gross scherte», schrieb der «Tages-Anzeiger» (siehe hier). Und der deutsche «Spiegel» schimpfte: «Ideologische Hardliner ernten die Früchte ihrer jahrelangen Lobbyarbeit» (siehe hier).
Kommentar: Barack Obama schleuste die Klimagesetzgebung damals mit einem Trick am Kongress vorbei: Er erklärte CO₂ flugs zum Schadstoff und stellte es auf die gleiche Stufe wie Schwefeldioxid oder Feinstaub. Doch das ist wissenschaftlich unsinnig: Denn CO₂ schadet niemandem, sondern ermöglicht erst das Leben auf diesem Planeten. Das Vorgehen hatte allerdings den Nachteil, dass die Grundlage des Klimaschutzes ebenso mit einem Federstrich wieder aufgehoben werden konnte. Das hat Trump nun getan. Es war für ihn gänzlich einfach. Die Journalisten müssen sich über Obama ärgern, nicht über Trump.
Der Klimawandel soll nun auch an Kälteeinbrüchen schuld sein

Worum geht es?
In den letzten Wochen waren Teile der USA und Europa von heftigen Winterstürmen und tiefen Temperaturen betroffen. Wo bleibt der Klimawandel, fragte sich manch einer.
Doch Journalisten haben im Verbund mit Wissenschaftlern eine Erklärung bereit: Der Klimawandel selbst ist schuld an den Kältewellen.
«Klimakrise heisst nicht nur Hitzewellen und Dürre – auch extreme Kälte kann eine Folge sein», behauptete «Watson» (siehe hier). «Eisige Jänner-Temperaturen sind nichts Neues – doch seit einigen Jahren mischt der globale Klimawandel kräftig mit, warnen Experten», schrieb das Portal heute.at (siehe hier). Und der Internetdienst «t-online» mahnte: «Die Klimakrise könnte künftig Schneestürme, Stromausfälle und Kältetote in Deutschland mit sich bringen.» (siehe hier)
Die Autoren solcher Artikel servieren dem Publikum im Verbund mit Forschern diese Erklärung: Die Erwärmung schreite in der Arktis besonders schnell voran, darum würden die Temperaturunterschiede verglichen mit südlicheren Gebieten geringer, was wiederum den Polarwirbel und den Jetstream instabil mache, womit es häufiger zu Vorstössen von polarer Luft nach Europa und die USA komme (siehe hier).
Axel Bojanowski, Wissenschafts-Chef bei der «Welt» und Inhaber eines Diploms in Klimaforschung, hat solche Deutungen letzte Woche in einem brillanten Artikel widerlegt (siehe hier). Er führte an, dass die Zahl der kalten Tage und Nächte seit 1950 weltweit deutlich abgenommen hat. Daten belegten zudem, dass der Jetstream im Zuge des Klimawandels tendenziell sogar stärker werde. Winterliche Kaltlufteinbrüche seien schlicht auf variable Witterung zurückzuführen.
Kommentar: Es ist natürlich Unsinn zu sagen, wegen eines Winters, der in Teilen besonders streng ist, gebe es keine Erderwärmung. Doch die Hartnäckigkeit, mit der gewisse Forscher und viele Journalisten jedes Wetterphänomen auf den Klimawandel zurückführen wollen, ist beachtlich. Ob es kalt oder warm ist – immer soll der Mensch daran schuld sein. Wissenschaftliche Konzepte müssen aber grundsätzlich falsifizierbar sein. Thesen, die anscheinend immer richtig sind, egal was passiert, passen nicht zu wissenschaftlicher Arbeit.
Um zum Schluss noch dies:

«Damit es morgen noch Schnee gibt» oder «Damit es morgen noch coole Sommer gibt»: Mit solchen Slogans wirbt Lisa Mazzone in den Sozialen Medien für ein Ja zur Klimafonds-Initiative. Man sieht die Präsidentin der Grünen mit einer schicken Sonnenbrille in einer Winterlandschaft oder mit einem freundlichen Lächeln in lockerer Sommerkleidung (siehe hier). Die Aktion gehört zur Schlussmobilisation hinsichtlich der Abstimmung am 8. März.

Die Initianten verlangen, dass die Schweiz in den nächsten 25 Jahren bis zu unglaublichen 200 Milliarden Franken zusätzlich in den Klimaschutz steckt – und das alles auf Pump, an der Schuldenbremse vorbei (siehe hier, hier, hier und hier). Doch die Behauptung, damit würden die Winter schneereicher oder die Sommer kühler, ist schlicht Desinformation. Denn die Schweiz könnte ihren CO₂-Ausstoss auch sofort auf Null reduzieren, es hätte nicht den geringsten Einfluss auf das Klima.

Denn der Anteil der Schweiz am globalen Klimagas-Ausstoss beträgt nur gerade ein Promille. Und dass auch die ganze übrige Welt entsprechende finanzielle Mittel für den «Klimaschutz» verpulvert, ist nicht ansatzweise erkennbar. Doch Lisa Mazzone ist das alles wurscht. Sie streut dem Stimmvolk lieber Sand in die Augen.

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