NZZ: ETH-Professorin hält Windkraft-Szenario ohne AKW für «unrealistisch im Quadrat»
Die NZZ porträtiert Annalisa Manera, Professorin an der ETH Zürich und neben Andreas Pautz vom Paul-Scherrer-Institut die einzige aktive Kerntechnik-Professorin der Schweiz. Sie gilt als bekannteste Stimme für die Kernenergie im Land – und rechnet nüchtern vor, was ein Szenario ohne Kernkraft konkret bedeuten würde.
Was ein Ausstieg konkret bedeutet
Wollte die Schweiz dem Axpo-Szenario ohne Kernkraftwerke folgen, bräuchte es laut Manera bis 2050 mehr als 1100 grosse Windkraftanlagen von rund 200 Metern Höhe, über 70 alpine Solaranlagen, mehr als 64 Millionen Solarpanels und fast 350 weitere Solarparks auf der freien Fläche.
Weil sich gegen solche Projekte in der Schweiz vielerorts Widerstand regt, hält sie dieses Szenario für nicht umsetzbar – in ihren Worten «unrealistisch im Quadrat».
Auch Windstrom kostet Milliarden
Ein neues AKW mag einen zweistelligen Milliardenbetrag kosten. Manera hält entgegen, dass dieselbe Strommenge aus Windkraft ebenfalls Kosten in dieser Grössenordnung verursachen würde – während ein Kernkraftwerk mindestens doppelt so lange läuft wie ein Windrad. Die verbreitete Annahme, Kernkraft brauche mehr staatliche Unterstützung als Wind und Solar, bezeichnet sie als falsch. Der Schätzung der Akademien der Naturwissenschaften, ein neues AKW könne bis zu 43 Milliarden Franken kosten, widersprach sie zusammen mit sechs Kollegen von ETH und PSI in einem deutlichen Brief.
Versorgungssicherheit
Manera befürchtet, dass die Schweiz die Fehler Deutschlands wiederholt. Zudem plane jedes Land in Europa, bei Knappheit Strom im Ausland einzukaufen. Wenn aber alle so rechnen, fehlt am Ende genau dieses Ausland.
Einordnung von Gegenwind Aesch
Maneras Zahlen machen greifbar, was hinter der Energiestrategie steckt: Über 1100 Windräder von rund 200 Metern Höhe müssten irgendwo stehen – auch in Gemeinden wie Aesch. Dass eine ETH-Professorin dieses Szenario öffentlich als unrealistisch bezeichnet, bestätigt unsere Haltung. Statt Wälder und Landschaften mit Windrädern zu verbauen, braucht die Schweiz eine ehrliche Debatte über eine verlässliche Stromversorgung – auf Basis von Fakten, wie Manera es fordert.
Quelle: Neue Zürcher Zeitung – «Wir brauchen mehr Fakten!», Porträt von Sebastian Briellmann und David Vonplon

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