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Der Kanton Zürich streicht seine Pläne für den Ausbau der Windkraft weiter zusammen

  • Autorenbild: Martin Hartmann
    Martin Hartmann
  • 20. Nov. 2025
  • 4 Min. Lesezeit

Jetzt sind es noch 19 Standorte: Der Kanton Zürich streicht seine Pläne für den Ausbau der Windkraft weiter zusammen

Vom Tisch ist auch ein beschleunigtes Bewilligungsverfahren.

20.11.2025, 17.36 Uhr

Die Windkraftpläne für den Kanton Zürich werden erneut redimensioniert. In einer frühen Phase ging der grüne Zürcher Baudirektor Martin Neukom noch von 52 möglichen Standortgebieten aus. Letztes Jahr reduzierte er das Feld auf 20 Gebiete und 15 zurückgestellte Orte.

Jetzt ist die Windkarte abermals ausgedünnt worden: Wie der Regierungsrat am Donnerstag mitgeteilt hat, sind neu noch 19 Gebiete im Rennen. Aus der Windkarte entfernt worden ist der Hombergchropf in Bubikon im Zürcher Oberland. Ebenfalls nicht mehr auf dem kantonalen Windplan befinden sich die 15 zweitrangigen Gebiete. Sie sollen nicht in den kantonalen Richtplan aufgenommen werden, weil sie Konflikte mit der militärischen und zivilen Nutzung des Luftraums verursachen.

In einem weiteren Gebiet, Berg Dägerlen, ist die Fläche reduziert worden. Beim Stammerberg, beim Eschenberg und in Kleinandelfingen wurden die Abstände zu geschützten Ortsbildern vergrössert.

In den verbleibenden Gebieten sind laut Kanton insgesamt rund 60 Windräder möglich. Diese sollen etwa 520 Gigawattstunden Strom erzeugen. Dies entspricht 7 Prozent des gesamten kantonalen Stromverbrauchs. Die Produktion reiche aus, um rund 350 000 Elektroautos mit 10 000 Kilometern jährlicher Fahrleistung aufzuladen, sagt der Regierungsrat.

Die Gemeinden erteilen die Baubewilligung

Auch beim Bewilligungsverfahren für die Windanlagen kommt es zu einem Kurswechsel. Ursprünglich wollte die Regierung den Ablauf beschleunigen, um möglichst bald möglichst viele Windräder zu bauen. Jetzt sieht sie davon ab.

Stattdessen kommt bis auf weiteres das heute gültige Verfahren zur Anwendung. Dies bedeutet, dass es Sache der Standortgemeinde sein wird, eine Baubewilligung zu erteilen. Dies ist deshalb bemerkenswert, weil Baudirektor Neukom den Gemeinden eine Mitsprache lange verwehren wollte. Für das Verfahren sollte der Kanton zuständig sein.

Die Zürcher SVP hatte stets verlangt, dass die Gemeinden mehr Mitsprache beim Bau von Windanlagen bekämen. Ihre Forderung sieht die Partei mit der Rückkehr zur kommunalen Baubewilligung für Windräder aber nicht erfüllt.

Paul von Euw ist SVP-Kantonsrat. Er sagt: «Dass die Gemeinden nun für die Baubewilligung zuständig sind, heisst nicht, dass sie eine Windanlage verhindern können. Denn wenn das Bauprojekt bewilligungsfähig ist, dann muss es grundsätzlich auch bewilligt werden, auch wenn die Bevölkerung die Anlage nicht will.»

Die SVP hält deshalb an ihrer Forderung fest, dass es für Windanlagen nicht nur eine Baubewilligung braucht, sondern eine separate kommunale Zustimmung. Die Bevölkerung soll also über eine Anlage abstimmen können.

Die Frage ist, ob es eine entsprechende kantonale Regelung überhaupt brauchen wird. Denn auf nationaler Ebene sind zwei Initiativen zur Windkraft eingereicht worden, welche die Nutzung einschränken und die Mitsprache erhöhen wollen. Die erste verlangt, dass im Waldgebiet grundsätzlich keine Windanlagen gebaut werden können. Die zweite fordert ein umfassendes Mitbestimmungsrecht der Betroffenen beim Bau von Windanlagen.

«Ich persönlich bin der Meinung, dass wir im Kanton Zürich mit den Richtplan-Einträgen der Windkraftgebiete warten sollten, bis die Schweiz über die beiden Initiativen abgestimmt hat. Diese zwei Jahre sollten wir uns geben, damit wir mehr Gewissheit haben», sagt von Euw.

Grüne: «Die Regierung ist mutlos»

So richtig zufrieden mit dem Entscheid des Regierungsrats sind auch die Grünen nicht, also die Partei von Baudirektor Neukom. Sie kritisieren, dass das grosse Windpotenzial auf dem Pfannenstiel nicht ausgenützt werde. Der Kanton hatte diese Gebiete gestrichen, weil sie Konflikte mit der Luftfahrt verursachen.

Die Grünen finden, dass Störungen von Radaranlagen unzureichend geprüft worden seien. Ausserdem müsse sich der Flugbetrieb den Windanlagen anpassen und nicht umgekehrt. «Die Regierung ist mutlos. Sie ist zu schnell vor der Flugbranche eingeknickt. Sie hätte die Einwände der Aviatik eingehender prüfen müssen», sagt der Grünen-Kantonsrat David Galeuchet.

Das grösste Manko sei aber, dass die Regierung auf das beschleunigte Bewilligungsverfahren verzichte. «Bei wichtigen Strassen kennen wir dieses Vorgehen schon lange. Es ist für uns unverständlich, dass es beim Umbau unserer Energieversorgung nicht genauso konsequent eingesetzt werden soll.»

Auch den Grünliberalen geht es zu langsam. Die Projekte müssten rasch und konsequent umgesetzt werden, teilt die Partei mit.

FDP: Windkraft muss sich rechnen

Zufrieden ist die FDP. Die Regierung habe einen sorgfältigen Prozess aufgegleist. Für die Freisinnigen ist wichtig, dass die Gemeinden genügend einbezogen werden. Ein Gemeinde-Veto über Windanlagen, wie es die SVP verlange, sehe man aber weniger, sagt die FDP-Kantonsrätin Sarah Fuchs. «Es gibt viele Infrastrukturprojekte, bei denen sich der Kanton aus überregionalen Gesamtinteressen heraus durchsetzen muss. Das wäre bei der Windkraft nicht anders.» Der Kanton müsse aber ein offenes Ohr für die Anliegen der Direktbetroffenen haben. «Ihre Sorgen müssen gehört werden.»

Wichtig ist für die Freisinnigen noch ein anderer Punkt: die Wirtschaftlichkeit. «Wir sollten nicht einfach pro forma Windräder bauen, nur weil das in der Energiestrategie steht. Die Anlagen müssen sich rechnen.» Dies sei gerade deshalb wichtig, weil vermutlich in erster Linie staatliche oder staatsnahe Energieunternehmen wie das EKZ oder die Axpo die Windräder erstellen würden, sagt Fuchs. «Bei den alpinen Solaranlagen gab es auch erste Versuche, bis klarwurde, was wirtschaftlich ist und was nicht. Bei den Zürcher Windrädern sollten wir gleich vorgehen.»

Die Anträge des Regierungsrats zu den Einträgen der Windkraft im Richtplan gelangen als Nächstes in das Kantonsparlament.

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