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Grossbritannien regelt mehr als ein Drittel der Windenergie ab – wegen Netzengpässen

  • Autorenbild: Martin Hartmann
    Martin Hartmann
  • 6. Feb.
  • 3 Min. Lesezeit

Erneuerbare Energie

Grossbritannien regelt mehr als ein Drittel der Windenergie ab – wegen Netzengpässen

06.02.2026

Die Netze sind nicht bereit für den vielen Ökostrom: Turbine des Windparks London Array, Grossbritannien. Bild: Keystone

Die Fakten: Seagreen, der grösste Offshore-Windpark Schottlands, konnte letztes Jahr 77 Prozent des eigentlichen Stromertrags nicht einspeisen – wegen Netzengpässen. Insgesamt entstehen Grossbritannien jedes Jahr Milliardenverluste, weil mehr als ein Drittel des Windstroms abgeregelt, aber entschädigt werden muss.

Warum das wichtig ist: Grossbritannien hat die installierte Leistung an Windkraft auf dem Meer innerhalb der letzten zehn Jahren rund vervierfacht. Dieses rasante Tempo ist eigentlich unumgänglich, wenn die britische Stromversorgung bis 2030 wie angekündigt zu hundert Prozent klimaneutral sein soll. Doch nun ist das Netz immer häufiger überlastet, sodass viel Ökostrom vernichtet werden muss.


Das Zitat: «Die Kosten für die Ablehnung dieser 37 Prozent [des total in Grossbritannien erzeugten Windstroms] werden auf die Energiekosten umgelegt, sodass am Ende die Verbraucher die Kosten tragen müssen.» (Fintan Devenney, Analyst bei Montel, siehe hier)


Die Situation beim Windpark Seagreen (siehe hier und hier):

  • Seagreen besteht aus 114 Windrädern mit einer Gesamtleistung von 1075 Megawatt, was etwas mehr ist als die Leistung des AKW Gösgen.

  • Der Offshore-Windpark ging 2022 ans Netz. Es handelt sich um den bisher grössten in Schottland.

  • Letztes Jahr blieben 77 Prozent der Gesamtproduktion des Windparks ungenutzt. Mehr als drei Viertel des Stroms, den die Anlagen hätten liefern können, mussten also vernichtet werden.

  • Der Grund dafür ist, dass die Netzkapazitäten nicht ausreichten, um den Strom in Gebiete von Grossbritannien zu bringen, wo er hätte genutzt werden können. 

  • Die Betreiber des Windparks Seagreen wurden für den nicht produzierten Strom entschädigt. Welche Kosten dabei entstehen, ist unbekannt. Es dürften letztes Jahr aber gemäss Schätzungen bis zu 200 Millionen Pfund gewesen sein. 



Der abgeregelte Ökostrom (siehe hier und hier): 

  • Laut einem Bericht des Analyseunternehmens Montel vom letzten Sommer wurden in Grossbritannien und Irland im ersten Halbjahr 2025 insgesamt 5,5 Terawattstunden an erneuerbarer Energie abgeregelt, also vernichtet. Das war mehr, als das AKW Leibstadt erzeugt.

  • Rund vier Terawattstunden davon betrafen Windstrom in Nordschottland.

  • Der in Grossbritannien und Irland abgeregelte Strom hätte mengenmässig gereicht, um alle Haushalte Schottlands mit Strom zu versorgen (siehe hier).

  • Insgesamt gelangten nur 63 Prozent der Windenergie, die in Grossbritannien erzeugt wurden, tatsächlich ins Netz. Mehr als ein Drittel (37 Prozent) wurde also abgeregelt.

  • Der Grund für die Abregelungen waren Netzengpässe. Denn der Ausbau des britischen Stromnetzes hinkt dem Zubau an Ökostrom-Kapazitäten gewaltig hinterher.



Die Kosten (siehe hier):

  • Laut Angaben des britischen Energieversorger Octopus Energy entstanden in Grossbritannien letztes Jahr 1,47 Milliarden Pfund (1,57 Milliarden Franken) an Kosten, um Entschädigungen für abgeregelte Windenergie und Ersatzstrom aus Gaskraftwerken zu bezahlen.

  • Die Kosten sind durch unzureichende Netze entstanden. Weil vielerorts deren Kapazitäten für den Transport des Windstroms nicht ausreichen, mussten viele Windräder zeitweise abgeregelt werden. Stattdessen musste in der Nähe der Verbraucher Ersatzstrom mittels Gaskraftwerken produziert werden.

  • Die entsprechenden Kosten wurden an die Stromkonsumenten überwälzt.

  • Bereits 2024 beliefen sich die entsprechenden Überlastungskosten auf rund eine Milliarde Pfund (siehe hier).



Der Ausblick: Grossbritannien hat seine Offshore-Windparks in den letzten fünf Jahren um die Hälfte ausgebaut. In den kommenden fünf Jahren soll der Ausbau nochmals doppelt so schnell wie bisher erfolgen. Der Netzausbau wird damit kaum Schritt halten können. Laut Claire Coutinho, Schattenministerin für Energie der Conservative Party, könnten sich die Ausgleichszahlungen für ungenutzte Windenergie bis 2030 sogar auf jährlich acht Milliarden Pfund vervielfachen.

Meine Einschätzung: Es gibt viele Länder, in denen der Ausbau der Netze nicht mit dem Zubau an Wind- oder Solarkapazitäten Schritt halten kann. Aber nirgendwo ist die Situation so gravierend wie in Grossbritannien. Doch statt das Tempo der Energiewende zu drosseln, soll dieser Zubau sogar noch beschleunigt werden. Die Zeche zahlen am Ende die Stromkunden.

 
 
 

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