Airloom Energy: Amerikanisches Start-up will Windkraft ganz ohne hohen Turm neu denken
Das US-Start-up Airloom Energy aus Wyoming entwickelt Windkraftanlagen, die komplett anders aussehen als herkömmliche Windräder: Statt eines hohen Turms mit Rotor und Gondel an der Spitze lässt das System mehrere senkrechte, verstellbare Flügel auf einer erhöhten, ovalen Bahn kreisen. Der Wind treibt die Flügel an, die wiederum Generatoren antreiben. Je nach Ausführung sollen die Anlagen dabei nur 20 bis 30 Meter hoch werden – ein deutlicher Kontrast zur aktuellen Rekordanlage von Vestas und Max Bögl in Deutschland, die mit 285 Metern als höchste Windkraftanlage der Welt gilt.
Airloom wirbt mit deutlichen Einsparungen gegenüber einer vergleichbaren klassischen 3-Megawatt-Anlage: rund 40 Prozent weniger Masse, 42 Prozent weniger Bauteile und sogar 96 Prozent weniger unterschiedliche Komponenten. Weil die Einzelteile auf gewöhnliche Lastwagen passen sollen, entfielen aufwendige Spezialtransporte und Grosskräne. Unabhängig bestätigt sind diese Zahlen bislang allerdings nicht – sie stammen aus eigenen Unternehmensangaben. Auch die oft zitierte Kostenersparnis von rund 50 Prozent bezieht sich nur auf die Fläche, die die Flügel überstreichen, nicht auf die tatsächlichen Betriebskosten oder den Strompreis pro Kilowattstunde.
Der aktuelle Pilotbetrieb im Bundesstaat Wyoming liefert bislang rund 150 Kilowatt, gefördert mit fünf Millionen Dollar vom Bundesstaat. Ein früherer Prototyp kam sogar nur auf rund fünf Kilowatt. Wann eine kommerzielle Anlage im industriellen Massstab tatsächlich steht, ist offen: Auf der Firmenwebsite ist von 2027 die Rede, der Firmenchef selbst nannte gegenüber TechCrunch auch 2028 als möglichen Zeitpunkt. Ebenfalls ungeklärt bleibt, wie sich die geringe Bauhöhe langfristig auf den Ertrag auswirkt, da an Binnenstandorten grössere Höhen normalerweise für stärkere und gleichmässigere Winde sorgen.
Für uns bei Gegenwind Aesch zeigt dieses Beispiel exemplarisch, wie vorsichtig man mit vollmundigen Kosten- und Effizienzversprechen neuer Windkraft-Technologien umgehen sollte: Solange Langzeitmessungen zu Ertrag, Ausfallzeiten und tatsächlichen Betriebskosten fehlen, bleiben viele der genannten Prozentzahlen reine Unternehmensangaben – unabhängig davon, ob es sich um besonders hohe oder besonders niedrige Anlagen handelt.
Quelle: CHIP, Marius Börgmann – vollständiger Artikel: https://www.chip.de/news/haushalt-garten/300-meter-hoch-amerikaner-wollen-besondere-windkraftwerke-bauen_c0b43ffd-2078-428f-8ed7-339ea70430d9.html
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